Werften und  Fotogalerie - Werften


 

Johann Piepersgerdes

Der letzte Werftbesitzer auf dem Fehn, der die Übergangszeit des Baues von Holz- zu Eisenschiffen miterlebte.

Zeitzeugenfilm auf YouTube über Werften von Fehnmuseum Eiland/ Heyo Onken.

 



Bild 1
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Einleitung

Historisch

  • Niederlande & Norddeutschland: Tjalken wurden ab dem 17./18. Jahrhundert vor allem in Friesland, Groningen, Overijssel, aber auch in Ostfriesland und an der Unterweser gebaut.

  • Bauweise: Meist Holz bis ins 19. Jahrhundert, später Eisen/Stahl. Wichtig war der flache Boden für seichte Gewässer (Wattenmeer, Kanäle, Ijsselmeer).

  • Typische Werftstandorte: Viele kleine Dorfwerften, zum Beispiel in Hoogezand, Veendam, Waterhuizen (NL), oder auch in Papenburg, Leer, Oldersum, Großefehn (D).

Heute

  • Es gibt kaum noch klassische Tjalkwerften, die Neubauten machen. Aber einige Spezialwerften und Restaurationsbetriebe kümmern sich um Erhalt und Umbau historischer Schiffe. Beispiele:

    • Scheepswerf Stroobos (NL) – historische Umbauten.

    • Skûtsje- und Tjalkenwerften in Friesland (z. B. Drachten, Sneek, Harlingen).

    • Peters Werft in Wewelsfleth (D) ist allgemein für Stahlsegler bekannt, auch Restaurierungen.

    • Museumwerf Vreeswijk (NL) zeigt den traditionellen Bau.

 

Viele Tjalken, die heute noch fahren (meist als Charter- oder Wohnschiffe), wurden in den Niederlanden umgebaut und gepflegt.

 

Die ostfriesischen Siedler benötigten für den Torftransport und -verkauf Schiffe. Für deren Reparatur entstanden kleine Werften, oft als Familienbetrieb im Nebenerwerb. Gearbeitet wurde auf „Helgen“ – Plätzen am Kanal, wo Schiffe mit einem Seilzug hochgezogen wurden, um auch am Unterwasserschiff arbeiten zu können. Bald begannen die Werftbetreiber, selbst Schiffe zu bauen. Meist arbeitete ein Schiffszimmerer mit wenigen Verwandten; mehr als fünf Mitarbeiter waren selten. Zwischen 1857 und 1866 entstanden auf fünf Werften in Großefehn 31 Binnen- und Wattschiffe sowie 47 Seeschiffe. Alles wurde in Handarbeit gefertigt; besonders aufwendig war das Sägen der Rumpfverstrebungen (Spanten), wie man es im Modell sehen kann: ein Baumstamm lag auf zwei etwa 1,80 m hohen Böcken, einer der Arbeiter stand auf dem Stamm, der andere unterhalb, so dass der Baum mit einer Zwei-Mann-Zugsäge aufgetrennt werden konnte. (Bild1) Der Bau eines Schiffes dauerte Monate bis zu einem Jahr. Metallarbeiten erledigte der Schmied, Segel der Segelmacher, und Taue kamen von Reepschlägereien. Konstruktionszeichnungen gab es kaum – man nutzte Holzschablonen für wichtige Teile. Jedes Schiff war ein Unikat, basierend auf Erfahrung und handwerklichem Können des Schiffszimmermanns. 


Die 2 folgenden Texte wurden von Kerstin Buss zur Verfügung gestellt

Schiffbaumaterialien

 

Zum Abtransport des gewonnenen Torfs sowie zur Versorgung der Fehnsiedlungen war eine große Anzahl speziell für die Fahrt auf den schmalen Kanälen gebauter Schiffe notwendig, für die es jedoch im Fehngebiet kein Bauholz gab. Um neue Schiffe bauen zu können, mussten daher zunächst geeignete Hölzer aus anderen Gegenden angekauft und auf dem Wasserweg zur Werft geschafft werden.

Für ein schlankes Binnenschiff mit Flachboden, wie es die Piepersgerdes'sche Werft an der Kanalstraße Nord bis in die 1920er Jahre baute, wurden mehrere Holzarten benötigt: gerades Eichenholz für den Schiffsrumpf, Buchenholz für den Boden und Eichenbalken für die Spanten. Während die ersten beiden Materialien aus dem Ammerland beschafft wurden, griff man für die Spanten auf heimische Geestbäume zurück, deren Stämme durch den rauen ostfriesischen Wind in die gewünschte krumme Form gewachsen waren. Über die Jahre kam es zu festen Geschäftsbeziehungen zwischen den externen Holzhändlern und ihren Abnehmern auf den Fehnen.

Durch die Nutzung wiederkehrender Maße (die ja zum großen Teil schon durch die Abmessungen der vorhandenen Kanäle vorgegeben waren) und Schablonen („Mallen“) wurde der Bau neuer Schiffe vereinfacht und beschleunigt. Da auf den meisten Werften nicht nur neue Schiffe gebaut, sondern auch vorhandene repariert wurden, mussten auch dafür Materialien angeschafft und vorgehalten werden.

 

 

Wie Torfschiffe aussahen

Die für den Torftransport nötigen Binnenschiffe wurden zuerst in Emden gebaut. Die erste Werft in Westgroßefehn wurde durch die Familie Frerichs 1739 gegründet.

Nun konnten unter der Bezeichnung Binnenfahrer, Mutten, Poggen oder Torfmuttjes Fluss- und Wattschiffe auf den Fehnen gebaut werden, die entweder runde oder spitze Formen hatten. Die Mutten waren die kleinsten  Binnensegler Ostfrieslands und Oldenburgs.

Der Boden dieser Schiffe war ganz flach gehalten, der geringen Wassertiefe der Kanäle angepasst (auch Plattbodenschiffe genannt). Sie konnten auch in den Prielen des Watts fahren, und wenn sie bei Ebbe einmal trocken fielen, blieben sie eben liegen.

Vorn und achtern waren sie sehr rundlich und füllig gebaut. Die unteren Plankengänge waren vom Boden und der Seite her hochgezogen und stießen in einem spitzen Winkel gegen die Steven. Das Ruder hing mit seinen Fingerlingen in den Ösen am fast senkrechten Achtersteven außenbords. Es wurde mit einer langen leicht S-förmig, aus Krummholz gearbeiteten Ruderpinne (Helmholz) gesteuert.

In dem runden Heck in Höhe der Berghölzer finden wir beiderseits des Ruders je eine fensterartige Luke mit weißer und bemalter Umrandung, die sogenannten Poortjes. Sie ließen nur geringes Tageslicht in die achtern unter dem Deck liegende Kajüte ein, die kaum einen Meter hoch war. Dort lag quer zum Schiff unterhalb der Poortjes eine Koje für den Schiffer und eine noch kleinere seitlich in Längsrichtung.

Die Länge dieser Mutten betrug 11 - 14 ¾ m, die Breite 2 ½-3 ¾ m, die Raumtiefe 0,75-1,25 m und die Ladefähigkeit 5-16 RT (Registertonnen).

Die Luke ging fast über die ganze Länge des Laderaumes. Ladungen wie Torf, Stroh, Reith wurden über der Ladeluke hochgestaut.

Bei günstigem Wind wurde gesegelt, sonst getreidelt. Der Knecht oder Junge zog das Schiff an einem Seil mit einem um die Schultern gelegten Gurt. Der Schiffer hatte eine Holzstange, die Sparre, quer zum Schiff eingesteckt und schob daran, auch vom Ufer aus, das Schiff vorwärts und hielt es gleichzeitig im Fahrwasser. (Jung in de Lien un Skipper an de Sparr).

Der Mast stand in einem Mastkoker und konnte nach achtern gelegt werden. Er hatte ¾ der Schiffslänge und stand verhältnismäßig weit vorne an der breitesten Stelle des Rumpfes. Seitlich am Rumpf waren Schwerter angebracht, die Abdrift vermindern sollten. Am Mast wurde ein braunes Gaffelsegel mit Großbaum gefahren. Auch eine Fock konnte gesetzt werden.

 

Aus Siegfried Lüderitz, Schifffahrt und Schiffbau auf den Fehnen, Manuskript 2006, S.2-3